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Fassadenfarbe-Ratgeber SüdwestFarbe, Fassade, Wärmeschutz
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Fassadenfarben-Typen: Dispersion, Silikonharz, Silikat und Kalk

Fassadenfarben unterscheiden sich vor allem im Bindemittel. Davon hängt ab, auf welchem Untergrund sie halten, wie offen sie für Wasserdampf sind und wie gut sie Schlagregen abhalten. Diese Übersicht ordnet die vier klassischen Farbfamilien und die Spezialbeschichtungen ein.

Die Kennwerte im Datenblatt

Für Beschichtungen auf mineralischen Untergründen und Beton im Außenbereich gilt die Normenreihe DIN EN 1062. Teil 1 ordnet Fassadenfarben in Klassen ein, die auf jedem seriösen Technischen Merkblatt stehen:

Kennwert Klassen Bedeutung
Wasserdampf-Diffusionsstromdichte V1 bis V3 V1 = hohe Dampfdurchlässigkeit, V3 = niedrige; eng verbunden mit dem sd-Wert
Wasserdurchlässigkeit W1 bis W3 W3 = niedrige Wasseraufnahme, guter Schlagregenschutz
Glanzgrad G1 bis G3 von glänzend bis matt; Fassadenfarben meist G3
Farbtonbeständigkeit (Fb-Code) z. B. A1 nach BFS-Merkblatt Nr. 26; wichtig bei kräftigen Tönen

Das Ideal ist eine Beschichtung, die Regenwasser abhält und eingedrungene Feuchte trotzdem schnell als Dampf entweichen lässt, also niedrige W-Klasse bei hoher V-Klasse.

Dispersionsfarbe

Das Bindemittel ist ein Kunststoff, häufig Acrylat. Dispersionsfarben sind vielseitig, haften auf vielen organischen Altanstrichen und sind leicht zu verarbeiten. Die Diffusionsoffenheit schwankt stark von Produkt zu Produkt; auf alten Kalk- oder Kalkzementputzen lohnt der Blick auf die V-Klasse besonders.

Silikonharzfarbe

Silikonharzfarben verbinden ein Silikonharz mit einem Dispersionsanteil. Sie gelten als stark wasserabweisend und zugleich dampfdurchlässig und sind auf Putzfassaden weit verbreitet. Auf einem Wärmedämm-Verbundsystem gilt die Freigabe des Systemherstellers.

Silikatfarbe

Silikatfarben arbeiten mit Kaliwasserglas, das mit einem mineralischen Untergrund chemisch reagiert („verkieselt“). Reine Silikatfarben sind zweikomponentig und eher Profiware; verbreiteter ist die Dispersionssilikatfarbe mit einem nach DIN 18363 begrenzten organischen Anteil. Auf alten Kunstharzanstrichen hält Silikatfarbe ohne freigegebenes Zwischensystem nicht. Glas und Naturstein müssen beim Streichen abgedeckt werden.

Kalkfarbe

Kalkfarbe ist das traditionelle Material vieler Altbauten und Fachwerkhäuser. Sie ist sehr diffusionsoffen, aber weniger widerstandsfähig gegen Schlagregen und muss öfter erneuert werden. In Ortskernen mit Denkmalbezug wird sie mitunter ausdrücklich verlangt.

Dämm- und Spezialbeschichtungen

Dämm- und Nanobeschichtungen werden wie Fassadenfarben verarbeitet, versprechen aber zusätzlich eine Wärmewirkung. Für die Klassen nach DIN EN 1062 gelten dieselben Fragen; für die Wärmewirkung braucht es andere Nachweise, etwa einen Prüfbericht mit Messverfahren, Prüfstelle und Bedingungen. Für gesetzliche Pflichten und Förderung zählt der rechnerische U-Wert. Eine Schicht von rund einem Millimeter verändert ihn nur geringfügig; solche Beschichtungen wirken, wenn überhaupt, über ihre Oberflächeneigenschaften.

Welche Farbe auf welchen Altanstrich?

  • Fest haftender Dispersions-Altanstrich: Dispersions- oder Silikonharzfarbe.
  • Mineralischer Putz ohne organischen Anstrich: Silikat-, Kalk-, Silikonharz- oder geeignete Dispersionsfarbe.
  • Wärmedämm-Verbundsystem: nur Farben mit Freigabe des Systemherstellers, oft mit Mindest-Hellbezugswert.
  • Unklarer Altanstrich: Probefläche von etwa einem Quadratmeter anlegen und nach dem Trocknen mit der Klebebandprobe prüfen.